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Sind Aale vom Aussterben bedroht? - Aale sind sehr schmackhafte Fische – geräuchert, in sauer gelegt oder gebraten. Doch wie lange noch? Wissenschaftler fürchten um die Existenz des europäischen Aals. "Es ist heute nicht 5 vor 12, sondern schon 12 Uhr“, sagte Professor Dr. Reinhold Hanel vom IFM-Geomar Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel. Negative Einflüsse könnten in ihrer Gesamtheit für ein Aussterben der Aale sorgen.

Ohne Aalbesatz würden die deutschen Aalbestände in einigen Jahren sogar zum Erliegen kommen. Er will ein wissenschaftliches Projekt im Einzugsgebiet der Schwentine auf den Weg bringen und wartet jetzt auf eine Förderzusage der Europäischen Union. Reinhold Hanel nannte in einem Vortrag vor Mitgliedern des Kreissportfischerverbandes Plön viele unterschiedliche Gründe, die für die Reduzierung des Europäischen Aalbestandes in Frage kommen. Er selbst will dem Rückgang mit einem eigenen, wissenschaftlichen Projekt auf den Grund gehen: "Erhebung der fischereilich bedingten und natürlichen Sterblichkeit von Aalen im Einzugsgebiet der Schwentine“, heißt es sehr vielversprechend.

Prof. Hanel arbeitet an der Zukunft der Aalbestände

Fakt ist : Seit den 70er Jahren ist die Aalfangmenge in Europa um 90 Prozent zurück gegangen. Hanel nannte den Hauptgrund: "Nur etwa ein Prozent der Glasaale kommt nach ihrer Geburt im Sargassomeer (Golf von Mexiko) in Europa.“ Von den dramatischen Rückgängen seien auch andere Aalbestände in der Welt betroffen.

Turbinen, Schadstoffeinträge in den Gewässern, Parasiten, Krankheiten aber auch Kormorane sorgen nach Prof. Dr. Hanel gemeinsam mit kontinentalen Faktoren für den schlechten Aalbestand. So gingen beispielsweise ozeanisch-klimatische Faktoren wie Luftdruck-Unterschiede mit den sinkenden Aalbeständen einher. "Dafür gibt es noch keine vernünftige Erklärung“, sagte Hanel. Der Wissenschaftler nannte auch als Grund für den Rückgang der Aalbestände die aktuelle Glasaalfischerei. Glasaale seien so wertvoll, die würden fast in Gold aufgewogen. Nachteilig sei die vermehrte Gelbaalfischerei durch Reusen, Kiemennetze und Grundschleppnetze. Negativ sei die Fischerei in Netzwehren auf Blankaale. Hanel ist überzeugt: "So kommen kaum Aale im Sargassomeer zur Fortpflanzung an.“ Weiteren Schaden richteten große Staudämme und ein schlechtes Turbinenmanagement an. Allerdings wisse man noch zu wenig über die Aalwanderung. Der Kormoranfraß sei kein wesentlicher Faktor für die schlechten Aalbestände. Der schwarze Vogel trage nicht die alleinige Schuld an den schlechten Aalbeständen.

Dabei seien bereits verschiedene Maßnahmen zur Rettung des europäischen Aals angelaufen. Sie seien als schützenswerte Art in den "Citex Appendix II-Art“ aufgenommen worden. Darin würden auch Eisbären oder die asiatische Kobra geschützt. Durch einen Wiederaufbauplan der Europäischen Gemeinschaft sollen Managementpläne für alle Gewässersysteme erarbeitet werden. Hanel ist allerdings nicht sehr optimistisch: "Damit sollen 40 Prozent der Blankaale abwandern können.“ Weiterhin gibt es eine Verpflichtung, dass bis 2013 stolze 60 Prozent der Glasaale für den Besatz in europäischen Ländern verwendet werden sollen. Hanel: "Aalbesatz ist ein kritisches Thema. Es ist nicht der Weisheit letzter Schluss.“

Der Wissenschaftler sprach über Untersuchungen der Aal-Ohrknochen, der Otholiten. Daraus sei viel über die Biologie der Aale zu erfahren. So auch, dass viele Aale ein "Aal-Leben“ lang im Salzwasser blieben. Viele Aale seien vom Schwimmlarvenwurm befallen. Er belaste die Schwimmblase und sorge dafür, dass die Aale den Weg zur Fortpflanzung ins Sargassomeer nicht schafften. Insgesamt gebe es 29 Parasitenarten und weitere Viren, wie Herpes. In Schleswig-Holstein sei besonders, dass Aale im Vergleich zu Bayern oder den Niederlanden hier kaum Infektionen mit Viren aufwiesen.

Eine große Rolle für die Reduzierung der Aalbestände spiele auch die Schadstoffbelastung der Gewässer, weiß Professor Hanel aus bisherigen Untersuchungen. Aale nehmen nach seinen Worten besonders dioxinähnliche Substanzen auf, die sogar für Embryonalschäden sorgen. Teilweise seien Aale so stark belastet, dass sie als Sondermüll angesehen werden müssten. Hanel: „Ich würde zum Beispiel maximal nur zwei Aale im Jahr essen, die aus der Elbe gefischt wurden.“ In anderen Aalen seien auch die Belastungen mit Quecksilber und Arsen zum Teil sehr hoch. In seiner wissenschaftlichen Arbeit will Prof. Dr. Reinhold Hanel mit seinem Team aus Wissenschaftlern Informationen über den Einfluss dieser Faktoren auf das Wanderverhalten der Aale gewinnen. Erst danach will er Managementempfehlungen für besondere Schutzmaßnahmen geben.

Wichtig sei, dass jetzt nicht mit gegenseitigen Schuldzuweisungen nach Gründen für die Aal-Reduzierung gesucht werde, meinte Hannel. Gute Grundlagen über das Leben der Aale erhofft er sich aus dem Einzugsgebiet der Schwentine. Hier gebe es gute Besatzkenntnisse von Binnenfischern und Teichwirten aber auch der Anglerschaft. Im Schwentinesystem könnte auch der Einfluss von Kraftwerken, Parasiten und Kormoranen ermittelt werden.

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