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Zwischenbericht über die Arbeiten 2011

1) Erfassung potenzieller Wirtsfisch-Arten in Alster und Bille

Wirtsfisch-Befischungen in Alster und Bille wurden im Trächtigkeitszeitraum von Unio crassus (Mai-Juli) an 8 bzw. 3 Stellen in 3 bzw. 2 Durchgängen durchgeführt (Anhang I). Das ursprüngliche Vorhaben, infizierte Fische direkt im Freiland zu erkennen und zu entnehmen, musste aufgegeben werden. Es waren zu viele Verdachtsfälle, aber eben nicht mit Sicherheit infizierte Tiere in den ersten Befischungen. Aus diesem Grund wurden jeweils bis zu 10 Individuen pro Art (wenn vorhanden) konserviert. Kleine Arten wie Stichling wurden direkt in abs. Ethanol überführt, von größeren nur die Köpfe. Das Material wurde am 04.08.12 an das Institut für Aquatische Systembiologie der TU München-Weihenstephan (Prof. Dr. Geist, Dr. Gum) geliefert und befindet sich dort zur weiteren Bearbeitung.

Typische Anteile von Großmuscheln in der Oberalster Wirtsfische aus der Alster
Typische Anteile von Großmuscheln in der Oberalster.
Unio crassus rechts (olivgrüne Tiere);
Unio pictorum und Anodonta anatina links.
Wirtsfische aus der Alster:
Döbel, Hasel.

2) Einarbeitung von Hartwig Hahn, erste Infektionsversuche und Besatz mit Wirtsfischen

In den Außenanlagen des LSFV-Bruthauses in Aukrug-Homfeld wurde Hartwig Hahn (LSFV-Referent für Gewässer), der auch zukünftig für die Durchführung/Betreuung der Wirtsfisch-Infektionen zuständig sein wird, Einweisung von Hartwig Hahn in die Erkennung der Trächtigkeitvon Rainer Dettmer bezüglich Erkennung des Trächtigkeitszustandes der Muscheln und Identifizierung von Jungmuscheln und Glochidien eingearbeitet. Herr Hahn hältert seit Mitte 2011 inzwischen 39 Unio crassus-Weibchen, von denen seitdem kein einziges Tier gestorben ist. Dies spricht für die besondere Eignung und Qualität des verfügbaren Wassers im Hinblick auf Muschelhälterung und -zucht. Es handelt sich um Quellwasser, welches vor Beschickung der Muschelbehältnisse durch nicht genutzte, vegetationsreiche Teiche fließt. 3000 Dreistachlige Stichlinge aus dem Elbe-EZG konnten Hälterungshaus in Homfeldin zwei Jahren von Herrn Hahn bisher erfolgreich mit Glochidien von Unio crassus infiziert werden. Nach einer dreiwöchigen Hälterung der infizierten Stichlinge und wiederholter Kontrolle des Infektionserfolges wurden 1500 pro Jahr in der Alster an Stellen mit historisch belegtem, aber aktuell erloschenem Unio crassus-Vorkommen oberhalb von Gut Stegen ausgesetzt. Zusätzlich wurden infizierte Stichlinge in von Hartwig Hahn extra angefertigten Kontrollboxen mit zuvor eingebrachtem Sediment geeigneter mittlerer Korngrößen ebenfalls an diesen Stellen in der Alster ausgebracht. Zukünftige Kartierungen im betreffenden Alster-Abschnitt und Kontrollen der Sedimente in den Boxen müssen zeigen, ob eine Entwicklung von Jungmuscheln stattfindet.

 

3) Molekulargenetische Differenzierung der verschiedenen Unioniden-Arten anhand ihrer Glochidien

Bericht PD Ralph Kühn TU München-Weihenstephan

 

Aussetzgefäße für infizierte Stichlinge1 Aussetzgefäße für infizierte Stichlinge2 Aussetzgefäße für infizierte Stichlinge3
Aussetzgefäße für infizierte Stichlinge mit mittleren Korngrößen.
Infizierung der Stichlinge. Infizierung der Stichlinge

4) Eruierung von neuen Standorten für Wirtsfisch- und Muschelhälterung sowie Wirtsfischinfektionen in weiteren Flusseinzugsgebieten, vorrangig Treene

An mehreren Terminen wurde mit Herrn Armin Marx vom ASV Jübek besprochen, wie die weitere Zusammenarbeit im Hinblick auf Muschelstützungsmaßnehmen an der Treene aussehen könnte. Aus dem laufenden Projekt heraus wurde eine Empfehlung an die BINGO-Lotterie für die positive Bewertung eines Antrags des ASV Jübek für die finanzielle Unterstützung der im Archepark, im Hinblick auf ein Muschelprojekt notwendigen Bauarbeiten fachlich begründet (Anhang). Inzwischen steht fest, dass die Maßnahmen gefördet werden und somit zukünftig der Archepark mit baulich geeigneten Anlagen ausgestattet werden kann. Die Außen- und Innenarbeiten in den zur Verfügung stehenden Gebäuden werden voraussichtlich im Juni 2012 abgeschlossen sein (mdl. Armin Marx).

 

5) Eruierung von Möglichkeiten des sinnvollen Besatzes mit Wirtsfischen in der Bille

Mit Herrn Dr. Brunke (LLUR) und Herrn Purps (LSFV) wurde beratschlagt, welche Strecken im Bille-Einzugsgebiet für eine Wiederbesiedlung mit Unio crassus in Frage kommen können. Auf Grundlage der aktuellen Makrozoobenthos-Besiedlung und dem Vorkommen ökologisch anspruchsvollerer Fischarten wurden der Bille-Abschnitt bei Sachsenwaldau und die Schiebenitz als Bille-Zufluss ins Auge gefasst.

 

Planung für 2012

1) Ergänzung der Materialerfassung für die genetische Validierung der schleswig-holsteinischen Unio crassus-Bestände

Um wie vorgesehen sämtliche rezenten schleswig-holsteinischen Unio crassus-Bestände genetisch dokumentieren zu können, müssten noch Tiere aus der Schwartau, den Schierenseebächen und der Alten Schwentine beschafft und an die TU München-Weihenstephan geliefert werden.

 

2) Fortführung von Infektion und Besatz mit Dreistachligen Stichlingen in Alster und Bille

Für die Alster sollen die Wirtsfischinfektionen mit Dreistachligem Stichling und der Besatz im Abschnitt oberhalb Stegen analog 2011 fortgeführt werden.

Martin Purps Aussetzen in speziellen Behältern Martin Purps Aussetzen direkt ins Freiwasser
Martin Purps beim Aussetzen infizierter
Stichlinge an Standorten mit historisch
belegtem Unio-crassus-Vorkommen.
Links: in speziellen Behältern.
Rechts: Direkt ins Freiwasser.

Im Falle der Bille soll versucht werden, noch trächtige Unio crassus zu finden, um diese für Fischinfektionen in der Anlage Aukrug-Homfeld einsetzen zu können. Falls dies nicht erfolgreich sein sollte, bestände noch die Möglichkeit auf eine genetisch ähnliche Population zurückzugreifen. In Frage kommen mit der größten Wahrscheinlichkeit am ehesten Tiere aus der Alster oder auch Ilmenau (Niedersachsen). Die Ergebnisse der genetischen Validierungen durch die TU München-Weihenstephan sollen aber abgewartet werden.

 

3) Information und Fortbildung von möglichen Betreuern von Fischinfektionen und Besatzmaßnahmen an der Treene

Es ist beabsichtigt, die für eine Wirtsfischinfektion und Muschel-/Fischhälterung notwendigen Kenntnisse und die besonderen, im Alster-Bille-Pilotprojekt gewonnenen Erfahrungen an geeignete Betreuer eines vergleichbaren Muschelprojektes im Treene-Gebiet weiterzugeben. Derzeit ist noch nicht klar, welche Personen (welcher Personenkreis) dafür in Frage kommen (kommt). Kontakte bestehen bisher zu Herrn Armin Marx als Vertreter des ASV Jübek und zu Herrn Helmut Jeske von der Edelkrebs-Teichwirtschaft in Oeversee.

In der Bille gibt es möglicherweise noch trächtige Unio crassus In der Bille gibt es möglicherweise noch trächtige Unio crassus

Fotoanhang

Bachforellenfang in der Bille Prüfung einer Brasse auf Infektion
Bachforellenfang in der Bille Prüfung einer Brasse auf Infektion
Besatz mit Dreistachligen Stichlingen Besatz Besucher
Stichlingsbesatz Besucher
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