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Das ging fix! Nicht einmal zwei Jahre hat die Schwarzmundgrundel gebraucht um ihr Verbreitungsgebiet auf den gesamten Nord-Ostsee-Kanal auszudehnen und einen Bestand aufzubauen, dessen Größe rasant zunimmt. Insbesondere im Ostteil des Kanals haben bereits viele Angler mit der Schwarzmundgrundel Bekanntschaft gemacht. Beim Butt- und Aalangeln ist die Art mittlerweile schon regelmäßiger Beifang.

Schwarzmundgrundel

Neogobius melanostomus ist der lateinische Artnahme der Schwarzmundgrundel. Ursprünglich begrenzte sich ihr Vorkommen auf das Kaspische und Schwarze Meer, jeweils inklusive der Unterläufe der einmündenden Flüsse. Seit ca. 20 Jahren jedoch erweitert sich das Verbreitungsgebiet der Schwarzmundgrundel stetig, zum Teil mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Zunächst wurde beobachtet, dass die Schwarzmundgrundeln sich nicht mehr auf die Unterläufe großer Flüsse beschränkten, sondern ihren Lebensraum auf weiter stromaufwärts gelegene Gewässerabschnitte ausdehnten. So wurden Schwarzmundgrundeln beispielsweise in der Donau im Jahr 2000 erstmals auf österreichischem Gebiet festgestellt und im Jahr 2004 dann bereits in Deutschland nachgewiesen. Neben dieser aktiven Erweiterung des Verbreitungsgebietes durch die Fische selbst kam es in der jüngeren Vergangenheit auch häufig zu einer durch den Menschen bedingten Verbreitung der Art. Ein Eintrag mit abgelassenem Ballastwasser von Handelsschiffen oder als Begleitart bei Fischbesatzmaßnahmen sind wahrscheinliche Eintragspfade für die Schwarzmundgrundel. 1990 gelangte die Schwarzmundgrundel unter anderem in die Great Lakes in Nordamerika und in die Danziger Bucht. Die weitere Ausbreitung der Schwarzmundgrundel innerhalb der Danziger Bucht und in die umgebenden Teile der Ostsee wurde von polnischen Wissenschaftlern kontinuierlich untersucht. Sie dokumentierten eindrucksvoll, welches Potential diese Art besitzt, wenn es darum geht, sich neue Lebensräume zu erschließen. Nachdem 1990 jeweils nur wenige Tiere in den Häfen von Hel und Gdynia festgestellt worden waren, umfasste das Verbreitungsgebiet in dem die Fische bestandsbildend waren, 2001 bereits eine Fläche von 400 km2. Damit waren nahezu alle geeigneten Habitate in der Danziger Bucht besetzt. Stellenweise erreichte die Bestandsdichte Werte von durchschnittlich 4 Individuen/ha.

Von der Danziger Bucht aus verbreitete sich die Schwarzmundgrundel entlang der Ostseeküste weiter. 1999 wurde sie bei Rügen festgestellt, 2003 lag Rostock schon hinter ihr. Wann sie genau in der Kieler Bucht angekommen ist, steht nicht fest. Erste Einwanderungen in den ca. 100 km langen Nord-Ostsee-Kanal über die Holtenauer Schleusen erfolgten wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2006. Erste Fänge von Sportanglern wurden 2007 gemeldet. Fanggebiete waren der Nord-Ostsee-Kanal östlich von Rendsburg und in besonderem Maße der Flemhuder See. Auch der in Rade ansässige Fischer machte in dem Jahr erstmals Bekanntschaft mit der Schwarzmundgrundel. Bis zum Herbst 2008 fehlten dann aber weitere Nachweise aus den weiter westlich gelegenen Teilen des Nord-Ostsee-Kanals. Fast sah es so aus, als würde der Schwarzmundgrundel dieser Gewässerteil nicht zusagen, so dass sie von einer Besiedlung vorerst absehen würde. Dass dem nicht so war, offenbarten Hamenfänge in der Brunsbüttler Schleuse im letzten Oktober, bei denen eine erwachsene Schwarzmundgrundel gefangen worden ist, die offensichtlich ihre Wanderung in die Elbe antreten wollte. Damit muss der Nord-Ostsee-Kanal als durchquert betrachtet werden.

Die meisten Angler, die Schwarzmundgrundeln gefangen haben taten sich schwer mit der Artbestimmung dieser ihnen bisher oft gänzlich unbekannten Fischart. Die Vorschläge reichten von Schwarzgrundel über Quappe und Aalmutter bis hin zur Groppe. Eine richtige Bestimmung ist zweifelsfrei nicht ganz leicht aber dennoch für jeden möglich, wenn man die entscheidenden Merkmale im Körperbau dieser Art kennt. Gemessen an unseren heimischen Grundelarten wird die Schwarzmundgrundel sehr groß. Im Brackwasser sollen männliche Tiere Körperlängen von bis zu 25 cm erlangen. Der gedrungene, im Querschnitt rundlich und leicht abgeplattete Körper ist gelblich bis grau, oftmals mit mehreren großen braunen Flecken auf den Körperseiten. Während der Laichzeit können Männchen auch eine schwarze Färbung annehmen. Entlang der Körperseite vom Kopf bis zur Schwanzflosse befinden sich pro Schuppenreihe 45-55 Schuppen. Die erste Rückenflosse hat 5-7, die zweite 14-17 Flossenstrahlen. Ganz charakteristisch ist der schwarze Fleck im hinteren Bereich der ersten Rückenflosse. Zweite Rückenflosse, Schwanzflosse, Afterflosse und die Brustflossen haben eine abgerundete Form. Im Kopfbereich, inklusive der Kiemendeckel, gibt es, im Gegensatz zu vielen ähnlich aussehenden Arten, keine deutlich sicht- bzw. fühlbaren Dornen, Stacheln oder Bartfäden. Zu guter Letzt ist als typisches Merkmal eine auffallend große, fast waagerechte Maulspalte zu nennen, wodurch die Tiere bei der Ansicht von vorn einen überaus humorlosen Eindruck erwecken.

Schwarzmundgrundeln sind typische Bodenbewohner. Sie ernähren sich überwiegend von Muscheln, Würmern, Krebsen, und gelegentlich wohl auch von Fischlaich. Im Alter von 2-3 Jahren erreichen die Tiere die Geschlechtsreife. Die Laichzeit beginnt im Frühjahr und kann sich bis in den Spätsommer hinziehen. Schwarzmundgrundeln sind Portionslaicher. Die Eizahl pro Weibchen wird mit 100-5000 angegeben. Die Eiablage erfolgt auf nahezu jeder Art von Hartsubstrat in einer Art Nest. Dieses Nest, in das verschiedene Weibchen ihre Eier gelegt haben können, wird bis zum Schlupf der Brut durch das Männchen bewacht. Nach Beendigung des Brutgeschäfts stirbt das Männchen, vermutlich an Erschöpfung. Weibchen können zum Teil ein zweites Mal reproduzieren, allerdings werden auch sie im Regelfall nicht älter als 4 Jahre.

Wie aus der Verbreitungsgeschichte der Art zu entnehmen ist, bevorzugt die Schwarzmundgrundel Brackwasser, kommt aber auch in reinem Süßwasser vor. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass noch viele weitere Gewässer in Schleswig-Holstein von der Schwarzmundgrundel eingenommen werden. Erste Nachweise aus dem Traveeinzugsgebiet liegen bereits vor. Spannend ist nun, wie sich die Art weiter verbreiten wird. Schafft sie es sich in der Unterelbe zu etablieren und von dort bis nach Dresden aufzusteigen? Wird sie in Eider und Stör vordringen? Wird der Elbe-Lübeck-Kanal von Süden oder von Norden besiedelt, oder von beiden Seiten gleichzeitig? Wir wissen noch nicht, ob und wie sich das Vorkommen der Schwarzmundgrundel auf die bestehenden Fischartengemeinschaften der unterschiedlichen Gewässer auswirken wird. Prinzipiell sind positive und negative Auswirkungen denkbar. Raubfische bekommen beispielsweise ein erweitertes Beutespektrum, kleinere Fische einen weiteren Konkurrenten um die Ressourcen Nahrung, Unterstand und Laichsubstrat. Insgesamt sind also viele Fragen an das Auftreten der geknüpft, die für Angler und Fischer von großem Interesse sind. Aus diesem Grund bitten wir Sie um Mithilfe! Wenn Sie eine Schwarzmundgrundel gefangen haben und sich nicht sicher sind, dass der Fangplatz bereits bekannt ist, melden Sie sich bitte bei der Hegegemeinschaft Gewässersystem Nord-Ostsee-Kanal oder dem LSFV-Schleswig-Holstein (Adresssen siehe Kästchen). In Zusammenarbeit mit der Fischereibiologischen Abteilung des Zoologischen Museums der Universität Hamburg sollen die Daten gesammelt und ausgewertet werden. Begleitend sind weitere Untersuchungen zur Biologie und zum Verhalten der Schwarzmundgrundel vorgesehen, um mehr über diese spannende Fischart und ihre Lebensweise in Norddeutschen Gewässern herauszufinden.

 

Mehr zur Schwarzmundgrundel und ihrer Verbreitungsgeschichte finden Sie hier:

Sapota, M.R. (2006): NOBANIS - Invasive Alien Species Fact Sheet - Neogobius melanostomus. - From: Online Database of the North European and Baltic Network on Invasive Alien Species - NOBANIS www.nobanis.org.

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