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In Deutschland wird nicht der international übliche Stand der Technik angewendet, so dass die Fischverluste bei Kühlwasserentnahmen erheblich größer sind, als es unvermeidbar ist!

Energiepolitisch befördert die Bundesregierung den Neubau von Kohlekraftwerken. Zurzeit laufen in der Bundesrepublik Deutschland die Planungen für 26 Braun- bzw. Steinkohlekraftwerke mit einer Leistung von insgesamt ca. 26.000 Megawatt. Allein 5 Steinkohlekraftwerke sollen in der Unterelberegion zu den hier bestehenden Kraftwerken hinzukommen. Ihnen allen ist die Entnahme von Kühlwasser aus der Unterelbe gemein. Die Wasserentnahme- und Wiedereinleitmenge eines einzigen Steinkohlekraftwerkes wird bis zu ca. 30 m³/s betragen, das entspricht einem Durchfluss von rund 1 Billion Litern Elbewasser pro Jahr.

Vor dem Hintergrund dieser Planungen ersetzt seit 2008 ein neuer Wärmelastplan den bisherigen aus dem Jahr 1973. Dieser von den Ländern Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein aufgestellte Wärmelastplan legt eine maximal zulässige Wassertemperatur von 28,0 °C sowie eine Mindestsauerstoffkonzentration im Gewässer von 3,0 mg O2/l fest.

Welche Möglichkeiten stehen aber nun für den direkten Schutz der Fische vor dem Eindringen in die Kühlsysteme - also dem Tod von mehreren Milliarden Fischen pro Jahr - zur Verfügung?

Für den Schutz der Fische und anderer aquatischer Organismen vor technischen Anlagen gibt es keine bundeseinheitliche Richtlinie. In den Landesfischereirechten ist jedoch der Schutz der Fische vor technischen Anlagen verankert. Am weitesten entwickelt sind die gesetzlichen Vorschriften in den USA und in Kanada. In diesen Ländern kommen bereits seit längerer Zeit Techniken zum Einsatz, die einen deutlich besseren Schutz der Fische vor Sterblichkeit durch Kühlwasserentnahme bewirken, als dies bei bestehenden Anlagen in der Bundesrepublik Deutschland der Fall ist.

Hierzulande werden genehmigte Kühlwasserentnahmen betrieben, die entweder keine geeigneten oder überhaupt gar keine technischen Vorkehrungen gegen den massenhaften anlagenbedingten Tod von Fischen haben. Dadurch entstehen Fischverluste von Hunderten von Tonnen Fisch pro Jahr allein in der Unterelbe. Und es steht zu befürchten, dass die neuen Steinkohlekraftwerke mit ähnlich großen Fischverlusten arbeiten werden, obwohl beim gegenwärtigen Stand der Technik ein besserer Schutz (siehe Tabelle) technisch möglich ist.

 

Kühlwasserentnahme Kanada
(1991 u. 1995)

USA
(2001 u. 2006)

Gitterabstand
(Einsaugtiefe >25 m)
4,75 mm
9,50 mm
Gitterabstand
(Einsaugtiefe <25 m)
2,54 mm
Wassereinstromgeschwindigkeit 12 cm/s
15,24 cm/s

 

Alle Wasserentnahmen aus der Unterelbe zusammen genommen lichten nicht nur die hier vorkommenden Fischbestände eminent, sondern aufgrund der sich aufsummierenden Wasserentnahmen könnten sogar einzelne Fischarten in ihrer Dichte derart ausgedünnt werden, dass sie hier Aussterben.

Daraus ergibt sich die Mindestforderung, direkt an den Kühlwasserentnahmestellen einen Rechen mit maximal 10 mm Stababstand zur Abtrennung der Fische einzubauen. Um mechanische Verletzungen der Fische durch den Rechen zu vermeiden, darf die Einströmgeschwindigkeit an der Entnahmestelle 15 cm/s nicht überschreiten.

Andere denkbare Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel elektrische und akustische Scheuchanlagen haben den Nachteil, dass sie an den meisten Standorten, insbesondere in der Unterelbe, nicht funktionieren können. Dies liegt im Wesentlichen einerseits in der unkontrollierbaren Heterogenität des Fischbestands wie Arten, Größen etc. in der Unterelbe und andererseits in der unkontrollierbaren Heterogenität dieses Wasserkörpers einschließlich Temperatur, Wasserqualität, Strömung, Tiden, Brackwasser mit schwankendem Salzgehalt etc. begründet.

Kraftwerk an der Elbe

Unterelbe bei Brunsbüttel mit Atomkraftwerk

 

Finte

Die Finte, eine der gegenwärtig in der Unterelbe neben den weiteren FFH-Arten Flussneunauge, Meerneunauge, Nordseeschnäpel, Rapfen sowie Lachs vorkommenden Neunaugen- und Fischarten.

Verfasser: ISCHUFI (Interessengemeinschaft zum Schutz und zur Förderung der einheimischen Fischfauna e. V.), Hamburg, Februar 2009.

 

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