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Unter der Überschrift „Discards sollen abgeschafft werden" fand sich in der Ausgabe 2/2008, Seiten 10ff des „Fischerblattes" des Deutschen Fischerei-Verbandes ein interessanter Bericht zu dem Bemühen der EU, die Menge unerwünschten Beifangs zu reduzieren, die ungenutzt wieder zurückgeworfen werden muß. So sollte ein längst überfälliger Beitrag zur Verbesserung der Fischbestandssituationen geleistet werden durch einen eigentlich naheliegenden Gedanken, der bereits im Jahr 2000, gleich nach Gründung des 2004 wieder aufgelösten Dachverbandes der schleswig-holsteinischen Fischereiverbände („Landesverband Schleswig-Holsteinischer Angler und Fischer e.V."), besprochen worden war: durch Verzicht auf Mindestmaße und im Gegenzug die Einführung des Gebotes, die gesamte Fangmenge anzulanden und diese auf eventuelle Quoten anzurechnen hätte schon seit Jahren die sinnlose Vergeudung von kaum vorstellbaren Mengen an Jungfischen vermieden werden können.

Nun hat bürokratischer Sand im EU-Getriebe hoffnungsvolle Ansätze eines Verantwortungsbewußtseins in der EU-Fischereipolitik zerstört.

Ursache für die Rückwürfe sind rechtlich vorgeschriebene Mindestmaße und die Überlegung, daß Fische auf jeden Fall einmal im Leben die Chance haben sollen, abzulaichen und damit für eine Bestandserhaltung zu sorgen. Erst anschließend, nach mindestens einer Reproduktion, sollen sie gefangen werden können.

Dieser Gedanke funktioniert, wenn der zurückzusetzende Fisch überlebensfähig ist und sich später tatsächlich noch fortpflanzt. Um argumentative Schlupflöcher und Schutzbehauptungen auszuschließen gelten diese Maßnahmen generell, so daß das Zurücksetzen ohne Ausnahme und unabhängig vom Zustand des Fisches geschehen muß. Der Fisch kann also, selbst wenn er durch den Fangvorgang getötet wurde, nicht verwertet werden.

Da aber jemand, der vom Fischfang lebt, eine bestimmte Mindestmenge wirtschaftlich verwerten muß, fängt er bis zu deren Erreichung entsprechend lange und unter Vernichtung entsprechend vieler Jungfische. Und an diesem Punkt funktioniert der Gedanke des „Bestandsschutzes durch Mindestmaße“ eben gerade nicht mehr, im Gegenteil, er schadet erheblich. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO beträgt die sinnlos vergeudete Menge weltweit jährlich mindestens 20 Millionen Tonnen. Damit führen zum Schutz von Fischen erlassene Vorschriften zu einer gigantischen Schädigung der Bestände. Es ist höchste Zeit für eine drastische Änderung dieser Situation. Dazu sollte die o.g. Studie die Grundlagen schaffen.

Leider verhindert ein kleines, aber wesentliches rechtliches Detail die Durchführung der Studie. Sie könnte nach EU-Recht leider nur

- entweder nach den Regeln der kommerziellen Fischerei durchgeführt und von der Wissenschaft begleitet werden. Dann lassen sich die Mindestanlandelängen und technischen Regularien aber nicht aufheben, um die es hierbei aber gerade ging;

- oder unter wissenschaftlicher Regie auf kommerziellen Fahrzeugen durchgeführt werden. Dann wären alle erdenklichen Ausnahmegenehmigungen möglich, nicht jedoch eine Vermarktung der untermaßigen Fänge für den menschlichen Konsum. Die EU wird aber keinen Fischer finden, der seinen Fang auf die Quote anrechnen läßt, obwohl dieser höchstens als Fischmehl vielleicht 10 Cent je Kilogramm als Verdienst einbringt.

Es ist höchst bedauerlich, daß nur aus formalen Gründen wieder Zeit ungenutzt vergeht, in der eine Verschwendung von Tausenden von Fischen hätte vermieden werden können, obwohl das Problem erkannt wurde und Einigkeit besteht, daß es so nicht weitergehen kann.

Wie gut, daß wenigstens die Angelfischerei (jedenfalls noch) nicht vom EG-Recht beeinflußt wird.

Robert Vollborn

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